Reiseberichte

Zu den Mineraliensuchern am Hohenstein
Von Usakos kommend werden die Umrisse des Hohensteinmassivs am Horizont schnell größer. Die mächtige Südwestflanke des Erongogebirges flimmert in rötlich braunen Tönen im nachmittäglichen Sonnenlicht. Mein Ziel ist die Hohenstein Lodge.

Nach Durchqueren eines mächtigen Trockenflusslaufes biege ich von der D 1935 auf das Lodgegebiet ab und komme nach wenigen Minuten an. Freundlich werde ich mit einem kühlen Getränk empfangen und lasse von der Aussichtsterrasse die gewaltige Kulisse des Hohenstein auf mich einwirken. Bis zum Sonnenuntergang sind es noch einige Stunden.
Der Berg fasziniert mich.
Ob es denn einen Weg dorthin oder sogar hinauf gebe, will ich wissen. Es führe eine mehrstündige Wanderung durch den „Boulder Forest“ eine Schlucht hinauf bis an die Steilwände aus Granit im ersten Drittel des Berges. Dort schürften ‚Small Miners‘ in Spalten und Adern nach Halbedelsteinen wie Bergkristall, Aquamarinen und Turmalinen. ‚Small Miner‘? Das sind Leute, die in den Bergen dort arbeiten und als Kleinunternehmer nach Mineralien suchen. Das interessiert mich. Der Weg sei gut ausgeschildert und so mache ich mich mit reichlich Wasservorrat im Rucksack auf.

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Ich durchwandere einen Talkessel mit Grasland und reichlich Wildbestand. Nach einer Stunde erreiche ich den Boulder Forest, eine Steinkugellandschaft mit üppiger Busch- und Baumvegetation, die den ersten Teil des Anstiegs am Hohenstein prägt. Mit den Höhenmetern beginnt sich der Blick zurück auf das weite Hinterland mehr und mehr aufzutun. Immer wieder weiche ich vom ausgetretenen Trampelpfad ab, um auf eine Granitformation zu klettern und die Sicht von dort zu genießen.

Ganz klein liegt die Lodge in weiter Ferne. Nach wiederum rund einer Stunde sehe ich über mir an der dort steil aufragenden Felswand auf einem kleinen Plateau mehrere Zelte stehen. Freundlich lächelnd sehen mir zwei ‚Small Miners‘ dabei zu, wie ich das letzte steile Stück bis zum Plateau meistere. Sie hätten gleich hier ihre Mine, erklären sie. Und dort drüben gäbe es weitere und da oben noch andere. Stolz präsentieren sie die Wochenausbeuten. Aquamarine glitzern in den schwarzen Händen, Bergkristalle funkeln. In Höhlen und Zelten arbeiten und leben hier mehr als 20 Menschen, tagein, tagaus und schürfen nach Mineralien. Ein jeder hat seinen Claim abgesteckt. Ein mühsames Geschäft. Alles was sie zum leben brauchen, muss den Berg hinauf geschafft werden.

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Die Sonne beginnt sich rötlich zu verfärben, die Schatten werden länger, der Granit strahlt immer rötlicher – fast scheint der Berg zu glühen. Große Eisentöpfe hängen über offenen Feuerstellen. An einem der Seile, die zu höher gelegenen Spalten führen, gleitet ein Arbeiter elegant den Hang hinunter zu seiner Höhle und deponiert dort die Tagesfunde. Die Stimmung ist unaufgeregt, friedlich. Auf einer Steinplatte liegen aufgereiht mehrere kleine funkelnde Aquamarine, daneben im Schneidersitz der ‚Small Miner‘ mit zerschlissener Kleidung und nacktem Oberkörper. Er schaut in die unendliche Weite Richtung Spitzkoppe. Er sieht zufrieden aus.
Ich halte einen glasklaren hellblauen Kristall gegen die Sonne. Ich muss zurück, obwohl die Zeit hier oben zeitlos zu werden scheint.

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Bald schon klingen die Stimmen der ‚Small Miners‘ über mir am Berg wieder leiser. Bergab komme ich schneller voran. Vor Einbruch der Dunkelheit bin ich zurück an der Lodge. In der Nacht erkenne ich kleine Feuer am Bergmassiv. Sie machen mich irgendwie zum Verbündeten. Ich war dort. Ich habe die ‚Small Miners‘ am Hohenstein besucht.

Mehr Bilder finden Sie in der „Small Miner“ Galerie.